Tag Archives: Buch

Seelenangst

13 Mai

“Er wird dich töten.
Deinen Leib.
Und deine Seele.
Denn sein Motiv geht über den Tod hinaus.”

- So der vielversprechende Einband auf der Rückseite. “Vox-Top-Thriller” verkündet ein zusätzlicher Aufkleber auf der Vorderseite. Das 2013 erschienene Buch von Veit Etzold scheint ein spannender Thriller mit nervenaufreibender Kriminalgeschichte zu sein, die in psychologische Tiefen geht.

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Doch leider verfehlt das Versprechen des Einbandes die Leserealität deutlich.

Das hat uns gut gefallen
Das Buch lebt vor allem durch seine Authentizität und die hohe Qualität der recherchierten Informationen. Die Handlung beginnt in Berlin mit einem durchaus brutalen und außergewöhnlichen Mord. Der Autor fängt mehrere Handlungsstränge an, die zunächst zusammenhanglos und teilweise unverständlich erscheinen, sich im Verlauf aber zu einem komplexen Puzzle zusammensetzen und sich logisch ergänzen. Dabei hat uns vor allem die Liebe zum Detail und die Realitätsnähe gefallen, da wir selbst Berlin recht gut kennen. Aber auch andere vielseitige Fakten werden wahrheitsgetreu in die Geschichte eingeflochten und machen die Handlung damit sehr glaubhaft.

Das hat uns nicht so gut gefallen
Zwar sind verschiedene Handlungsstränge sehr gut für die Spannung, allerdings gestaltet der Autor diese vor allem am Anfang des Buches zu kleinteilig. Ein Handlungsstrang von 1-2 Seiten lohnt beinahe der Mühe nicht und führt mehr zu Verwirrung als zum Spannungsaufbau. Und auch wenn die Motivation des Mörders ausgefallen ist, so konzentriert sich die Gesamtthematik des Buches zu stark auf Christentum und Exorzismus. Für Krimiliebhaber und Psychothriller-Freunde dürfte die Spannung bei der Klärung der Mordfälle im Buch zu kurz kommen. Die eher dürftige Kriminalgeschichte und Spannungskurve versucht der Autor mit zwei besonders brutalen Morden zu kompensieren.

Insgesamt denken wir: Gut recherchiert und authentisch, aber nicht spannend und die Erwartungen nach dem Lesen des Titels und Einbandes wurden nicht erfüllt.

Unsere Punkte: 2/5

 

Herzstoß

3 Nov

Nebel und Dauerregen – das beschreibt nicht nur die allgemeine Wetterlage des Schauplatzes, sondern auch die allgemeine Gemütsverfassung der Protagonistin des Romans Herzstoß von Joy Fielding.

Marcy Taggert ist eine liebende Mutter zweier Kinder. Dabei gibt es nur ein Problem: Ihre Tochter ist vor zwei Jahren verschwunden und Marcy glaubt nicht, dass diese bei den von der Polizei beschriebenen Umständen gestorben ist. Auf einer Reise nach Irland sieht sie plötzlich ihre Tochter und eine nervenaufreibende Suche nach ihr beginnt.

Ein Roman mit vielen Stärken aber auch Schwächen. Während der Leser stetig gefesselt durch die sich zuspitzende Handlung geführt wird, wird andererseits die Spannung zunehmend durch fortwährende Flashbacks unterbrochen. Zudem begeistert der Roman zwar durch authentische Schauplätze, nicht zu ausschweifende Beschreibungen der Umgebung und eine originelle Handlungsidee, der dramatische Höhepunkt, sowie die scheinbare Wendung sind dabei aber zu vorhersehbar.

Insgesamt ist das Buch einfach und gut lesbar, recht spannend, der erfahrene Krimileser wird allerdings nicht auf seine Kosten kommen und kein überraschendes Ende erleben.

Unsere Gesamtwertung: 3/5 Punkte

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Venezianisches Finale

27 Apr

Musik und Theater, Lust und Leidenschaft, Drama und Szenen – und natürlich Mord. So leitet Donna Leon ihr erstes Buch aus einer Krimireihe über den Commissario Guido Brunetti ein.

Während einer Opernaufführung in Venedig wird der Dirigent und geachtete Musiker Helmut Wellauer tot in seiner Garderobe aufgefunden. Ursache: Vergiftung durch Zyankali.

Angesetzt auf den aufsehenerregenden Fall beginnt Commissario Brunetti das Leben des Dirigent – ebenso musikalisch begabt, wie menschlich abartig – zu durchleuchten.

Auf seiner Suche stößt er auf Geheimnisse, Verstrickungen und menschliche Abgründe. Und schließlich auch auf ein Stück seiner eigenen Natur.

Das Debüt der venezianischen Autorin ist knackig, präzise und spannend geschrieben. Sie hält sich nicht an ausschweifenden Beschreibungen fest, sondern treibt die Handlung interessant voran.

Alles in allem ein spannender Krimi, aber ohne großen Tiefgang oder hochtrabende Wortwahl und komplizierte Satzkonstruktionen. Zwar sicherlich kein literarisches Meisterwerk, aber das perfekte Buch für die U-Bahn oder das Frühstück auf der Terrasse.

Unsere Wertung: 3,5/5 Punkte

Am Ende war die Tat

23 Sep

 

Schnell lernt der Findling das purpurne

Gesetz der Straße.

Anarchie ist die Peitsche

In der Hand des Soldaten,

Wo die Gewehre

Alles in Asche verwandeln.

 

Es steht von Anfang fest: Der 12-jährige Joel Campbell wird zum Mörder.

Während die Einen einen Jungen aus schlechtem Umfeld und mit Immagrationshintergrund sehen, dessen Zukunft und Leben eh keinen Pfifferling wert sind, wissen die Anderen zumindest ein wenig um die schweren Bürden, die er trägt und erahnen wage die Last auf seinen Schultern.

Die Geschichte eines Jugendlichen, der vom Schicksal nicht begünstigt wird und in seinen jungen Jahren und mit seiner Unschuld und Unwissenheit an die falschen Leute gerät. Aber auch die Geschichte von seinen Geschwistern und seiner Tante, die alle versuchen das richtige zu tun und ihr Leben zu meistern, dass ihnen die ein oder anderen Stolpersteine in den Weg legt.

Elizabeth George schafft es in ihrem 670 Seiten starkem Buch, den Leser in einer Welt zu fesseln, die ihm wahrscheinlich bisher fern war. Und doch wird man derart integriert und in den Bann der Geschichte gezogen, dass man das Buch gar nicht mehr zur Seite legen möchte.

Mit immer wieder kleinen Hoffnungsschimmern und dem ständigen hin und her der Achterbahn des Lebens, hat die Autorin es geschafft, eine ganze gesellschaft psychologisch zu durchdringen, zu analysieren und damit auch in gewisser Weise zu kritisieren.

 

“Am Ende war die Tat” überzeugt vor allem mit unbeschönigter Realitätsnähe existierender Schauplätze und immer wieder überraschend Wendungen.

Unsere Wertung: 4/5 Punkten

Staubige Seiten vs. glänzendes E-Book?

25 Aug

Die Sprache, wie wir sie heute kennen, entwickelte sich seit Anbeginn der Menschheit. Doch die dazu gehörige Schrift oder Verständigung durch Symbole und Buchstaben folgte allerdings erst viel später. Die Verbreitung und Aufzeichnung von Schriften war schließlich der nächste Schritt in der Geschichte des Buches. Eine deutliche Revolution der Schriftsprache erlebten die Europäer dann mit der Erfindung des Drucks mit beweglichen Lettern durch Johannes Gutenberg um 1450.

In den folgenden Jahrhunderten erschienen immer mehr Autoren und Dichter, die dank der schnellen Verbreitung ihrer Werke mit Hilfe des Buchdruckes auch zu immer mehr Ruhm gelangen konnten.

 

Doch auch die klassische Literatur kam neben Emails und Zeitungen irgendwann im 21. Jahrhundert an. Das E-Book, zunächst hauptsächlich repräsentiert durch Fachliteratur, erfreut sich vor allem seit der Herausgabe des E-Book-Readers Kindl (Amazon) einer wachsenden Leserschaft.

Doch kann das E-Book wirklich das klassische Leseerlebnis ersetzen?

 

Seit das E-Book große Erfolge verzeichnet und auch der Umsatz der E-Book-Reader steigt, wächst auch die Anzahl der Zweifler und Kritiken an den elektronischen Geräten sowie der modernen Literatur- und Verlagswelt.

Ruft die Strahlung der Geräte Krebs hervor? Ist das Lesen auf einem Bildschirm schädlich für die Augen? Werden Raubkopien von Büchern durch die digitale Form erleichtert?

So entfachte sich mit dem breiten Markteintritt eine rege Diskussion um das E-Book und das klassische Lesen.

 

Das traditionelle Buch wird von seinen Verteidigern als unersetzbar eingestuft. Der Zauber des Geheimnisvollen und Verborgenen, wenn man in eine alte Bibliothek oder Bücherei geht, der Geruch von frischem Papier, wenn man ein neues Buch aufschlägt und das Geräusch beim Umblättern einer Seite sind unverwechselbare Charakteristika, die der klassische Bücherwurm nicht missen möchte.

 

Die Vertreter der neuen Technik hingegen argumentieren vor allem mit der Leichtigkeit und dem enormen Speicherplatz. Ein E-Book-Reader wiegt gerade mal um die 200g bis 300g und kann bis zu mehrere Tausend Bücher speichern. Dank der ständigen Weiterentwicklung der Technik ähnelt auch das Format immer mehr einem echten Buch. So wird gegen die Spiegelung des Sonnenlichtes gearbeitet und die Verwendung von LED-Lampen ist Vergangenheit.

 

Der Buch-Konservative kontert dabei allerdings häufig mit dem hohen Anschaffungspreis der Geräte, elektronischer Störanfälligkeit und den möglichen Raubkopien wie es aus der Musik- und Filmbranche bekannt ist. Außerdem müsse man sich erst mit einer neuen komplizierten Technik auseinandersetzen, um schließlich an sein Buch zu kommen.

 

Der moderne E-Book-Nutzer weißt dann auf die Rückenbelastung vieler Schulkindern hin und auf die Platzverschwendung durch Tausende Bücher und natürlich auf die höhere Umweltfreundlichkeit der E-Books durch wesentlich weniger Papier und Tintenverbrauch.

 

Scheinbar endlos setzen sich diese Diskussionen dann fort.

Sicherlich kann man für beide Seiten Argumente finden, die sicher auch nicht ganz unbegründet sind.

Doch egal, auf welche Seite man sich schlägt, ein E-Book wird immer ein digitales Medium und ein 1000-Seiten-Buch immer recht unhandlich bleiben.

Im Endeffekt kommt es einfach darauf an, was man persönlich bevorzugt.