Archive | September, 2013

Stadt der 1001 Eindrücke

21 Sep

Wir kenne sie alle: Die Stadt der 1001 Eindrücke!

Ihr wisst nicht, wovon wir sprechen? Dann werden wir euch kurz davon erzählen.

Man erwacht. Ein Motorrad rast so schnell durch die enge Straße, dass der Motor wie ein Knall durch die Luft hallt. Sofort spürt man die kühle Luft, die durch das offene Fenster weht und trotz des brutalen Kontrasts zu der wärmenden Decke, wie ein frischer Weckruf an der Nase kitzelt. Man steht auf und das langsame Erwachen des Körpers zieht sich durch den Morgen. Vor der Haustür steigt einem sofort der Geruch von Asphalt und Abgasen in die Nase, doch als man am Markt vorbeikommt mischen sich Fisch, Käse und Früchte darunter. Der Tag erstrahlt allmählich am Himmel. Schüler, Arbeiter, Kinder, Mütter, Bäcker, Handwerker, Blumenhändler passiert man. Und da der wunderbare Duft von frischen Croissants und das Niederkämpfen des starken Verlangens etwas von den Köstlichkeiten aus dem Schaufenster zu kaufen. Eine Frau, die so fasziniert von einem Vorbeifahrenden ist, dass sie beinahe in jemanden reinläuft. Ein Mann, der so ernst schaut, dass man den Eindruck bekommt, dass er gar nicht weiß, wie man lacht. Und dann der Abstieg in die U-Bahn und dieser Geruch. Dieser unverwechselbare Geruch der U-Bahn, den man manchmal auch wahrnimmt, wenn man über einen Lüftungsschacht geht. Und in der Ecke am Gleis jeden Tag das gleiche Bettlerpärchen, dass ein Schild mit der Aufschrift “Ich habe Hunger” hochhält. Ein Frau, die ein bisschen anders aussieht, als die anderen hier. Sie hat einen Koffer. Wo mag sie wohl herkommen? Ein Blick auf die Uhr. Man beschleunigt und erreicht die Bahn pünktlich. Eine Schweißperle läuft langsam den Rücken hinunter, während man sich all diese Leute anschaut, die alle furchtbar beschäftigt scheinen: Ein Buch, eine Zeitung, die eigenen Fingernägel, und ca. 1000 Handys und Smartphones. Doch da Augen, die zurückstarren. Sollte man lieber wieder wegschauen? Der Ausstieg. Klack, klack, klack…so eilig kann es niemand haben, dass er/sie an einem vorbei hetzt, anrempelt und sich nicht entschuldigt. Oder doch? Eine Frau spricht einen an. Man bleibt stehen. Vielleicht kann man ihr helfen? Doch nur wieder eine Bettlerin. Würde man ihr wirklich helfen, wenn man ihr ein bisschen Geld gibt? Man geht weiter und schon ist Zeit für die Vorlesung. Anregende Gespräche, neue Inhalte. So viel, was es zu sagen gibt und so viel, was man noch nicht weiß. Dann der Rückweg. Der Herbst steht an, denn viele Blätter liegen schon auf der Straße. Es ist Mittagszeit. Viele kleine Bistros sind voll mit Menschen, die diskutieren und Lachen. Ein Kellner läuft mit konzentriertem Gesicht hektisch durch die Tische. Jeder hat ein anderes, tolles Angebot. Kann man an einer belebten Straße wirklich sein Mittagessen genießen. Wieder Vorlesung. Ein Tag kann lang sein. Die Augen werden müde. Feierabend. Der Magen knurrt schon und das Bett scheint laut zu rufen. Doch der Heimweg lenkt ab. Ein Mann sitzt in der Bahn und kaut auf einer trockenen Scheibe Brot. Ein Mädchen ist so unheimlich wichtig, dass sie ihren Blick nicht von dem Smartphone heben kann und verpasst beinahe ihren Ausstieg. Zwei Männer steigen ein und unterhalten sich in Gebärdensprache. Kann es manchmal ein Segen sein, den Lärm der Stadt nicht zu hören? Nach der Bahnfahrt der Weg nach Hause. Die Nacht hat sich über die Stadt gelegt. Sie riecht nun ganz anders als noch am Morgen. Die Blätter haben ihre Farben verloren. Doch viele Dinge fangen an zu leuchten. Die Tür zum Supermarkt, der Schriftzug am Restaurant, der Blinker am Auto. Zu Hause ist ein Abendessen in Gesellschaft ein gelungener Abschluss des Tages. Das Bett noch weicher als am Morgen. Was man wohl heute träumt, um das alles zu verarbeiten? Wieder ein kühler Luftzug. Wieder das knallen eines Motorrads in der Straße. Und kurz bevor das Bewusstsein in die Traumwelt entschwebt, fragt man sich, ob es wohl der selbe Fahrer war.

Jeden Tag steigen tausende Menschen in die U-Bahn, fahren mit Autos durch Straßen, überqueren eine Ampel. Jeden Tag sitzen Menschen auf einer Bank, stehen am Rand und warten an einem Treffpunkt. Du bist einer von ihnen. Also sieh genau hin und genieße, dass du all das wahrnehmen kannst.

An manchen Tagen…

9 Sep

…wäre man lieber im Bett geblieben.

Es ist fast ein Morgen wie jeder andere: Der Wecker klingelt und ein bisschen quälend öffnete ich die Augen. Draußen vor dem Fenster ist auch keine Sonne zu sehen und eine kühle Brise weht durch das Fenster. Hmmm….eigentlich wollte ich ja laufen gehen, aber ich bin so müde und das Bett ist so kuschelig und draußen scheint es nicht so angenehm temperiert zu sein…

Doch ich raffe mich auf. Nun hatte ich den Wecker schonmal früher gestellt und war wach. Dann kann ich mich auch anziehen und losgehen. Außerdem muss man auch an nicht so schönen Tagen in der Lage sein, sich zum Aufstehen zu motivieren, sonst wird das mit dem Training nie was. Also wühle ich mich aus den Kissen, zieh mir Trainingssachen an und schnappe mein Handy für die passende musikalische Begleitung unterwegs.

Kaum aus der Haustür raus, stelle ich fest, dass ich die Hülle meines Handys vergessen habe. Nagut, denke ich, was soll schon groß passieren, ich laufe ja nur und halte das Handys dabei fest in der Hand. Ich laufe also los. Nach den ersten 50 Meter stelle ich weiter fest: Nanu, einer meiner Kopfhörer funktioniert nicht. Na toll, dann eben nicht in Stereo.

Nach ca. 500 Metern geht dann mein Schuh auf. Ich muss dazu sagen: Ich habe spezielle Sportschuhe, die bisher noch nie(!) aufgegangen sind. Also kurzer Stop und Schuhe binden. Nach ca. 2,5km geht mein Schuh wieder auf. Nun denke ich: Das kanns doch einfach nicht sein. Wieder stoppe ich und binde meinen Schuh. Diesmal mit Doppelknoten.

Ich laufe konzentriert weiter. Nach weiteren 200 Metern verheddere ich mich plötzlich mit den Füßen in irgendetwas, komme ins Straucheln und falle der Länge nach hin. Unnötig zu erwähnen, dass meine Handy ja ohne Schutz war. Zum Glück hatte ich Jahre lang Volleyball gespielt und konnte so den Sturz noch abmildern. Aber natürlich ist der Lauf nicht ganz ohne Schrammen zu beenden und auch die Dusche danach ist von einer brennenden Wunde am Arm geprägt.

Und als ich da so stehe und das warme Wasser auf meinen Kopf rieselte, denke ich mir nur so: An manchen Tagen ist es eben doch besser morgens im Bett zu bleiben.